Karbolegerling (Agaricus xanthodermus)

Karbolegerling (Agaricus xanthodermus)

Der Karbolegerling ist ein verräterischer Doppelgänger vom Wiesenegerling. Dieser riecht allerdings schwach pflaumenartig und nicht phenolartig tintenähnlich, wie der Karbolegerling. Wenn der Finder den Stiel bis zu zwei Zentimeter vom Ende unten anschneidet und dieser Anschnitt auch innerlich gelb wird, ist er es. Ansonsten ist er äußerlich täuschend ähnlich.

Sein Hut ist gewölbt, cremeweiß bis lichtgrau, in der Mitte etwas dunkler, an Druckstellen äußerlich gilbend. Die Lamellen sind eng stehend, jung rosa, reif schwarzbraun. Der Stiel hat einen hängenden, dauerhaften Ring. Das Fleisch ist im Hut weiß, in der Stielspitze schnell gilbend.

Der Karbolegerling ist schwach giftig. Vergiftungen führen zu heftigem Erbrechen und Durchfall, in schweren Fällen auch zu Schwindel und Sehstörungen. Aber manch einer verträgt ihn auch. Dort, wo der Pilz häufig ist, zum Beispiel auf Weiden unserer Gegend, sind Vergiftungen mit dem Karbolegerling die häufigste Ursache von Pilzvergiftungen. Als Gifte wurden bisher gefunden Phenol sowie Diazo- und Hydrazin-Verbindungen.

Das Merkwürdige ist: Es kommen farbige Verbindungen aus der Gruppe der Hydroxyphenylazoderivate wie Xanthodermin vor. Letzeres trägt einen Glutaminsäurerest. Das ebenfalls vorhandene Diazo-2,5-cyclohexadien-1-on wirkt stark antibiotisch und ist in seiner Hemmwirkung gegen eine Reihe von Bakterien und Pilze vergleichbar mit gängigen Antibiotika.

Wer hätte das gedacht – ein giftiger Pilz als Antibiotikum.

Zurück

Einen Kommentar schreiben